Ahnenforschung in Oberschlesien

Standesämter im ehem. Regierungsbezirk Oppeln

 

Ein Abstecher zu einem gänzlich anderen Thema, das mit geographischen und historischen Recherchefeldern und der Notwendigkeit Datenbestände möglichst übersichtlich zu erschließen aber durchaus Parallelen zu meinen anderen Hobbies hat: Zur Ahnenforschung in Oberschlesien ist viel geschrieben worden und noch mehr Quellenmaterial inzwischen auch online verfügbar. Zur Einführung siehe z. B. bei Michael Schätzlein; eine wegweisende Übersicht zu den Kirchenbüchern und Standesamtsunterlagen ist bei Claus Christoph zu finden.

An dieser Stelle möchte ich mich intensiver mit den Standesämtern auseinandersetzen, die in Preußen und damit auch Schlesien im Oktober 1874 auf der Grundlage eines Gesetzes vom 9. März 1874 über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung eingeführt wurden, das 1875 durch ein Reichsgesetz abgelöst wurde. Damit wurden die zuvor verwendeten Kirchenbuchduplikate ersetzt. Viele der Standesamtsregister haben überdauert und sind in den polnischen Staatsarchiven bzw. soweit mit geflüchtet im Landesarchiv Berlin archiviert. Jüngere Register befinden sich zum Teil auch noch in den Standesämtern vor Ort.

Digitalisierte Dokumente aus den polnischen Staatsarchiven werden zunehmend auf "Szukaj w Archiwach" ("Suche in den Archiven") veröffentlicht. Die Suchfunktion auf "Szukaj w Archiwach" bietet einige Möglichkeiten, die sich zum Teil aber nicht ganz intuitiv erschließen. Oft funktioniert bei der Suche nach einem konkreten Standesamt die Suchbegriffskombination "Standesamt" und die deutsche Ortsbezeichnung. Da aber natürlich auch die Verschlagwortung, Einsortierung in Serien oder Ermittlung von Intervallgrenzen ihre Tücken haben, findet man manche Register nur mit etwas detektivischem Gespür. Einige Bestände sind bisher nur in der auf diesem Wege ebenfalls abfragbaren Datenbank "Programm zur Erfassung von Kirchen- und Personenstandsurkunden" (PRADZIAD) erfasst und noch nicht in der "Szukaj w Archiwach"-Struktur aufbereitet. Die Digitalisate für vier Standesämter im Bereich des heutigen Chorzów wurden auf der Website des Vereins Silius Radicum veröffentlicht.

Bei der Suche nach den entsprechenden Urkunden stößt man also rasch auf einige Herausforderungen: Welches Standesamt war zuständig, welche Dokumente haben überdauert, wo wurden sie archiviert und welche Bestände sind bereits digitalisiert? Da es zu dieser mehrschichtigen Fragestellung meines Wissens bisher keine kompakte und trotzdem umfassende Übersicht gibt, habe ich mir für den ehemaligen Regierungsbezirk Oppeln und wenige angrenzende Gebiete eine tabellarische Übersicht erarbeitet, die zum einen die historische Entwicklung der Standesamtsbezirke nachzeichnet und zum anderen die vorhandenen und digitalisierten Archivbestände der polnischen Staatsarchive zuordnet.



Standesämter im ehem. RBZ Oppeln und angrenzenden Gebieten (pdf)
Stand: 9. Oktober 2021

Der Ursprungszuschnitt der Standesamtsbezirke wurde im Amtsblatt der königlichen Regierung zu Oppeln 1874 (Beilagen zu Stück 37-39) bekannt gemacht. In diesem Amtsblatt wurden auch die späteren Änderungen der Bezirkszuschnitte und -benennungen angezeigt, sind mitunter trotz der meist vorhandenen Sachregister und chronologischen Verzeichnisse aber nur etwas mühsam aufzufinden. Das Amtsblatt ist z. B. in der Schlesischen Digitalen Bibliothek abrufbar; hier fehlen allerdings die Jahrgänge 1925 und 1927.

In der Übersicht verwende ich unabhängig von den Begrifflichkeiten der Originaleinträge folgende Änderungsarten:

  • Umgliederung:
    Ausscheiden eines Guts- oder Gemeindebezirks usw. aus einem weiterbestehenden Standesamtsbezirk und Zuteilung zu einem anderen bestehenden Standesamtsbezirk
  • Ausgliederung:
    Ausscheiden eines Guts- oder Gemeindebezirks usw. aus einem weiterbestehenden Standesamtsbezirk unter Bildung eines neuen Standesamtsbezirks
  • Eingliederung:
    Auflösung eines Standesamtsbezirks und Zuteilung der Guts- und Gemeindebezirke usw. zu einem oder mehreren bestehenden Standesamtsbezirken
  • Teilung:
    Auflösung eines Standesamtsbezirks unter Neubildung mehrerer neuer Standesamtsbezirke
  • Zusammenlegung:
    Auflösung mehrerer Standesamtsbezirke unter Neubildung eines neuen Standesamtsbezirks
  • Umbenennung:
    Namensänderung eines Standesamtsbezirks; andere Änderungen werden ggf. zusätzlich genannt

In Einzelfällen spiegeln sich Teilungen, Zusammenlegungen und Umbenennungen nicht in der Aufteilung der Archivbestände in Signaturen wider.

Die zweite Ebene von Änderungen betrifft Eingemeindungen und Kreiszugehörigkeiten. Die weitgehende Auflösung der Gutsbezirke und Zuschlagung zu den Landgemeinden zum 30. September 1929 ist an dieser Stelle nicht weiter berücksichtigt, einige andere zum Verständnis der Standesamtsbezirke wichtige Ereignisse werden erwähnt.

Die ausgewerteten Bekanntmachungen im Amtsblatt des Regierungsbezirks Oppeln habe ich in einer zweiten Tabelle zusammengestellt.



Änderungen an Standesamtsbezirken im Amtsblatt Oppeln (pdf)

Archivierung

Die älteren Standesamtsregister wurden in den polnischen Staatsarchiven archiviert, wobei sie häufig fortlaufende Inventarnummern sortiert nach Kreisen und Standesamtsnamen erhalten haben. Dabei können die Namen von den im Amtsblatt 1874 genannten abweichen. Einige Bestände sind nachträglich in ein anderes Archiv überführt worden, sodass Inventarnummern als Platzhalter verblieben sind, selten sind die Unterlagen zu einem Standesamt noch immer auf mehrere Archive verteilt.

Die erste Stelle in den Signaturen der polnischen Staatsarchive kennzeichnet das Archiv:

8 - Archiwum Panstwowe w Czestochowie (Staatsarchiv Tschenstochau)
12 - Archiwum Panstwowe w Katowicach (Staatsarchiv Kattowitz)
14 - Archiwum Panstwowe w Katowicach Oddzial w Cieszynie (Staatsarchiv Kattowitz, Außenstelle Teschen)
15 - Archiwum Panstwowe w Katowicach Oddzial w Gliwicach (Staatsarchiv Kattowitz, Außenstelle Gleiwitz)
17 - Archiwum Panstwowe w Katowicach Oddzial w Pszczynie (Staatsarchiv Kattowitz, Außenstelle Pless)
18 - Archiwum Panstwowe w Katowicach Oddzial w Raciborzu (Staatsarchiv Kattowitz, Außenstelle Ratibor)
45 - Archiwum Panstwowe w Opolu (Staatsarchiv Oppeln)
82 - Archiwum Panstwowe we Wroclawiu (Staatsarchiv Breslau)
85 - Archiwum Panstwowe we Wroclawiu Oddzial w Legnicy (Staatsarchiv Breslau, Außenstelle Liegnitz)

Als Faustregel für die jüngsten digitalisierten Bestände kann man ca. 1915 für die Geburtsregister und ca. 1935 für die Heirats- und Sterberegister ansetzen. Die Bestände in den Standesämtern vor Ort werden an dieser Stelle nicht betrachtet. Bei "verschollenen" Beständen können jüngere Bände durchaus noch in den Standesämtern vorhanden sein.

Zu etwa einem Drittel der in der Übersicht aufgeführten Standesämter sind geflüchtete Teilbestände im Landesarchiv Berlin archiviert. Diese stammen bis auf wenige Ausnahmen aus dem 1922 beim Deutschen Reich verbliebenen Teil Oberschlesiens. Leider wurde die Digitalisierung dieser Bestände an einen kommerziellen Dienstleister vergeben, sodass sie nicht frei einsehbar sind. In der Übersicht ordne ich daher nur die angegebenen Bestände zu, wobei infolge von Umbenennungen aufgeteilte Bestände zusammengefasst werden. Eine Übersicht der Digitalisate findet sich bei Silius Radicum.

Unsichere Zuordnungen: Die Bestandsübersicht des Landesarchivs Berlin enthält einige Standesamtsbezeichnungen, die an anderer Stelle bisher so nicht auffindbar waren. In Gleiwitz, Hindenburg und Ratibor wurden in den 1920-40er Jahren Standesamtsbezirke durch römische Ziffern unterschieden, deren Zuordnung teilweise unklar ist. Bei einigen Standesämtern im Kreis Rosenberg O/S gibt es abweichende Ortsbezeichnungen, bei denen offen ist, ob sie auf Verlegungen eines Standesamtsitzes oder Ausgliederungen zurückzuführen sein könnten.

Die Standesamtsregister für das 1920 zu Tschechien gekommene Hultschiner Ländchen sind im Landesarchiv Opawa archiviert und innerhalb der für eine Veröffentlichung zulässigen Zeiträume fast vollständig digitalisiert. Zwischen 1920 und 1938 gibt es hier die Besonderheit, dass die Register für die einzelnen Orte eines zuvor zuständigen Standesamtes separat, aber unter der gleichen Signatur geführt werden.

Indices

Zu den Standesamtsregister gibt es oft handschriftliche oder maschinengeschriebene Indices (pl.: Skorowidze), die ebenfalls digitalisiert wurden. Im Gegensatz zu den einheitlich aufgebauten Registereinträgen variieren die Indices stärker hinsichtlich Format und Umfang. Bitte beachten, dass diese Indices in separaten Bänden oder seltener am Anfang oder Ende der einzelnen Registerbände stehen können und dass manchmal die Namen in den Indices in einer anderen Sprache als in den eigentlichen Registereinträgen angegeben werden. Soweit möglich sollte daher bei der Recherche immer auf die Registereinträge selbst zurückgegriffen werden.

Ein ausgesprochen wichtiges Hilfsmittel zur Erschließung von Kirchenbüchern und Standesamtsregister sind digitale Indices, die von einer großen Anzahl Interessierter mit einem bemerkenswerten Aufwand und großer Akribie erstellt werden. Der betrachtete Raum wird insbesondere vom Geneteka-Projekt abgedeckt. In der jetzt vorliegenden Ausbaustufe der Standesamtsübersicht sind diese Indices verlinkt.

Auch hierzu einige Anmerkungen: Aus der Tabelle ist nur zu erkennen, ob, aber nicht in welchem Umfang die Bestände inidziert wurden. Die Bandbreite reicht von komplett bis zu wenigen einzelnen Jahrgängen. In der Tabelle mögen auch noch Indices fehlen, da die Zuordnung nicht immer einfach zu erkennen ist. Bei weitem nicht alle Quellenangaben enthalten den Zusatz "USC" (Urzad Stanu Cywilnego - Standesamt) und manchmal sind innerhalb eines Index sogar mehrere Quellen vermischt. Die Zuordnung der Ortsangaben gelingt hingegen bis auf wenige sehr ähnliche Ortsbezeichnungen meist problemlos.

Karten

Zum Verständnis der geographischen Zusammenhänge ist ein Blick in die historischen Karten hilfreich. In der ersten Spalte ist daher die Nummer der Messtischblätter angegeben. Scans dieser Karten sind an verschiedenen Stellen verfügbar, eine umfangreiche Sammlung für Polen mit unterschiedlichen Ausgaben der einzelnen Blätter bietet igrek.amzp.pl.

Hinweise

Aus Platzgründen werden die zugeordneten Gemeinde- ("Gem.") und Gutsbezirke ("Gut") mit identischer Ortsbezeichnung in einer Zeile zusammengefasst.

Die Angaben unter "Bestand" und "Scans" sollen nur einen groben Überblick vermitteln, welche Registerbände vorhanden und digitalisiert sind. Bestände mit fehlenden Bänden sind mit "*" gekennzeichnet. Die Angaben sind mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, da z. B. die Einträge in PRADZIAD von den Serien in "Szukaj w Archiwach" abweichen können. Zum Teil gibt es auch Arbeitsordner, die nicht immer berücksichtigt sind.

Für die Register wurden die im Polnischen üblichen Abkürzungen U für Geburtsregister, M für Heiratsregister und Z für Sterberegister verwendet.

Der Bestand der auf szukajwarchiwach.gov.pl verfügbaren digitalisierten Unterlagen unterliegt stetigen Änderungen. In unregelmäßigen Abständen werden neue Unterlagen veröffentlicht, auf der anderen Seite aber auch eingestellte Scans wieder entfernt. Das betrifft in der Regel ältere, weniger hochwertige Scans, die später durch neuere ersetzt werden. Bei diesen Pflegemaßnahmen können sich auch die Links ändern.

Die Arbeit an dieser Übersicht der Standesämter im ehem. Regierungsbezirk Oppeln ist noch nicht abgeschlossen. Ergänzungen und Korrekturen sind gerne willkommen.




Änderungslog: Neue / entfernte Scans
Nur vereinzelt und verteilt auf verschiedene Informationskanäle weisen die Archive auf neu digitalisierte Unterlagen hin, sodass es nicht immer einfach ist Interessantes zeitnah mitzubekommen. Hier eine Übersicht der jüngsten Änderungen, sortiert nach den Kreiszugehörigkeiten von 1874 und anschließend alphabetisch:

Abgleich vom 17. September 2021 (Referenz: Ende Juni 2021):
Entfernte Scans: Kr. Cosel: 45/889/0 Autischkau, 45/892/0 Chrost, 45/894/0 Dobroslawitz, 45/897/0 Gnadenfeld, 45/900/0 Karchwitz, 45/918/0 Trawnig, Kr. Leobschütz: 45/817/0 Roben
Neue Scans: Kr. Cosel: 45/904/0 Cosel, 45/907/0 Kuschnitzka, 45/915/0 Sacrau, 45/916/0 Slawentzitz, Kr. Grottkau: 45/828/0 Alt Grottkau, 45/831/0 Falkenau, 45/848/0 Mogwitz, 45/851/0 Petersheide, Kr. Kattowitz: 12/2617/0 Rosdzin, Kr. Kreuzburg: 45/856/0 Bischdorf, 45/860/0 Costau, 45/863/0 Jakobsdorf, 45/873/0 Nassadel, 45/1155/0 Omechau, 45/875/0 Pitschen, 45/886/0 Wilmsdorf, Kr. Leobschütz: 45/797/0 Dittmerau, 45/804/0 Jernau, 45/823/0 Stolzmütz, 45/826/0 Zauchwitz, 45/827/0 Zülkowitz, Kr. Neisse: 45/967/0 Patschkau, 45/971/0 Schwammelwitz, Kr. Oppeln: 45/990/0 Brinnitz, Kr. Ratibor: 18/425/0 Borutin, 18/426/0 Kranowitz, 18/349/0 Markowitz, Kr. Tost-Gleiwitz: 12/2759/0 Brynnek, Kr. Zabrze: 12/2452/0 Bielschowitz
Erweiterte Scans: Kr. Leobschütz: 45/810/0 Leobschütz, Kr. Oppeln: 45/1016/0 Oppeln, Kr. Rosenberg: 8/209/0 Bischdorf

Abgleich vom 9. Oktober 2021:
Entfernte Scans: Kr. Cosel: 45/903/0 Comorno, 45/896/0 Gieraltowitz, 45/906/0 Krzanowitz, 45/908/0 Lenschütz, 45/914/0 Rzetzitz, 45/917/0 Teschenau, 45/919/0 Wiegschütz, Kr. Leobschütz: 45/2705/0 Steubendorf
Neue Scans: Kr. Beuthen: 12/749/0 Beuthen, 12/2700/0 Deutsch Piekar, Kr. Falkenberg: 45/943/0 Lammsdorf, Kr. Kattowitz: 12/2618/0 Klein Dombrowka, 12/2758/0 Schloss Myslowitz, Kr. Neustadt: 45/1047/0 Langenbrück, Kr. Oppeln: 45/1004/0 Grudschütz, Kr. Tarnowitz: 12/2751/0 Neudeck, Kr. Tost-Gleiwitz: 12/2758/0 Tworog
Erweiterte Scans: Kr. Beuthen: 12/752/0 Miechowitz, Kr. Cosel: 45/912/0 Raschowa, 45/913/0 Rogau, 45/915/0 Sacrau, 45/916/0 Slawentzitz, 45/920/0 Wielmierzowitz, Kr. Kreuzburg: 45/884/0 Simmenau, Kr. Oppeln: 45/988/0 Bierdzan, 45/990/0 Brinnitz





Startseite    Sitemap    Datenschutz    Impressum

(c) Achim Bartoschek 2000-2021
Letzte Überarbeitung: 9. Oktober 2021

www.achim-bartoschek.de/af/standesaemter.htm /
www.bahntrassenradeln.de/af/standesaemter.htm